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SCHORSCH

Integrative offene Kinder-, Jugend- u. Familienarbeit St. Georg
Eine Einrichtung der ev.-luth. Kirchengemeinde St. Georg-Borgfelde
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2006 Polen

Sachbericht Polen/ Masuren (Kanutour und Jugendverständigung)

In diesem Sommer ist die integrative offene Kinder- und Jugendeinrichtung SCHORSCH in der Zeit vom 10.7 bis zum 24.7.2006 auf Gruppenreise nach Polen gefahren.

 Unsere Gruppe setzte sich aus 17 Jugendlichen im Alter zwischen 11-16 Jahren zusammen. Darunter befanden sich 3 Jungs von 11 Jahren und 4 Mädchen. Die Meisten von ihnen sind langjährige Besucher unserer Einrichtung, aber 2 haben wir erst durch die Reise kennengelernt. Die Herkunft unserer Jugendlichen ist unterschiedlich, sie haben fast alle Elternteile aus verschiedenen Ländern.

Auch in ihren Lebensumständen unterscheiden sich die Jugendlichen stark. Das betrifft das soziale Umfeld, die familiären Strukturen, die finanziellen Gegebenheiten; zum Teil bestehen besonders schwierige Situationen. Die Jugendlichen selbst sind in ihrem Verhalten, ihren Kompetenzen, ihren Defiziten und Auffälligkeiten sehr verschieden.

 Betreut wurde die Gruppe von 3 männlichen Mitarbeitern und einer weiblichen Honorarkraft.

Die Anfahrt erfolgte mit der Bahn über Nacht, was sich leider, aufgrund von Verspätungen, verpassten Anschlüssen, mehrmaligen Umsteigen und langer Wartezeiten, als sehr anstrengend herausstellte! So verlängerte sich die Anreise um 5 Stunden, auf 21 Stunden.

Reiseziel war Masuren mit dem Ort Sorkwity, gelegen zwischen Olsztyn und Mragowo. Untergebracht waren wir in der internationalen Begegnungsstätte FUNDACJA RODOWO (www.rodowo.pl), mit Schlafgelegenheit in Mehrbettzimmern und mit Vollverpflegung! Die Stiftung “Rodowo” bemüht sich um die Entwicklung von internationaler Zusammenarbeit und internationalen Kontakten im europäischen Integrationsprozess. Die Stiftung besitzt auf seinem Grundstück ein typisch masurisches Gebäudeensemble und eine gute Konferenz- bzw. Schulungsausstattung zur Durchführung von Seminaren, Workshops und alle Arten von Jugendbegegnungen, besonders internationaler.

 So hatten wir die Gelegenheit, eine polnische Gruppe, bestehend aus 50 Jugendlichen, die im Rahmen English and Holidays, die Ferienanlage besuchten, kennenzulernen. Es wurde eine Vielzahl von unterschiedlichsten Workshops und Aktivitäten angeboten und gemeinsam durchgeführt. So fanden, u. a. zur Integration, eine Kennlernrunde mit Vorstellung der Gruppen, ein Team-building-Wettkampf, verschiedenste Sportturniere, ein deutsch-polnischer Abend und mehrere Geselligkeitstreffen mit Lagerfeuer, Grillen, Gesang und Tanz statt.

Die Verständigung untereinander erfolgte meist auf Englisch, wobei mehrere unserer Jugendlichen über wenig Englisch- kenntnisse verfügten, die sie aber auf der Reise verbessern konnten.

Aber auch eigene Aktivitäten wurden mit unserer Gruppe unternommen. So besuchten wir die Kleinstadt Mragowo mit einem typischen Markt, unternahmen Ausflüge mit dem Kanu und Fahrrad in den nächsten Ort Sorkwitty und nutzten das wunderschöne Sommerwetter und die Seen zum Baden. Ein Tagesausflug führte uns in das gut erhaltene alte Städtchen Reszel, mit einer Burgbesichtigung und zum ehemaligen Führer-Hauptquartier ’Wolfsschanze’.

 Der Höhepunkt stellte unsere 3-tägige Kanutour (16-18.7), auf der Krutina, mit Zelten und Selbstverpflegung, dar. Diese Tour führte uns ca. 50 Km von unserem Ausgangspunkt Rodowo, über Seen und Verbindungsflüsse, bis nach Spychowo.

Täglich fand sowohl eine Teambesprechung der MA, als auch Vollversammlungen mit den Jugendlichen statt. Dort wurde das Programm besprochen, Wünsche der Jugendlichen aufgenommen und Probleme (Streitigkeiten, Zimmerordnung, Regeleinhaltung etc.) besprochen und gelöst

 Inhaltlich ermöglichte diese Reise den Kontakt zwischen Jugendlichen aus verschiedenen Ländern und bot schöne Freizeitmöglichkeiten und Erlebniswelten in der Natur.   

Entscheidende Aspekte bei Gruppenreisen sind voneinander zu lernen, Rücksicht und Toleranz zu üben, Konflikte zu bewältigen und Gemeinschaft erleben. Bei unserer Teilnehmerzusammensetzung konnten Jugendliche miteinander Erfahrungen machen, deren Lebenswelten sich ansonsten kaum berühren.

Unsere Jugendlichen haben erlebt auch ihre Freizeit aktiv zu gestalten. Sie haben Verantwortung übernommen und sich an der Planung der Aktivitäten beteiligt. Miteinander sind die Jugendlichen rücksichtsvoll umgegangen. Bei den Mahlzeiten war immer die gesamte Gruppe anwesend und es fanden viele intensive Gespräche in unterschiedlichsten Konstellationen statt. Die Stimmung war ausgesprochen familiär und der Zusammenhalt in der Gruppe stark. Entstandene Konflikte haben die Jugendlichen untereinander bewältigt und auch mit unserer Hilfe gelöst. Jeder der Teilnehmer war mit seiner persönlichen Art in der Gruppe akzeptiert und bei den eher zurückhaltenden Jugendlichen war zu beobachten, dass sie deutlich präsenter wurden.

 Ein starkes Bedürfnis bei den Jugendlichen nach Nähe, Zuwendung und Rat war zu beobachten und durch unsere gute personelle Situation, konnten wir diesem auch gerecht werden. Es war möglich, mit Einzelnen oder einer kleinen Gruppe, etwas zu unternehmen und auf die spezifischen Bedürfnisse einzugehen. Ein Jugendlicher musste aufgrund seiner aggressiven Ausbrüche zeitweise einzelbetreut werden und die daraus resultierenden Streitigkeiten geschlichtet werden, wobei die besonders hohe Toleranz und das Verständnis der Gruppe angenehm auffällig waren und zu einem Gelingen dieser Konfliktsituation erheblich beitrugen. Trotz dieser Ausbrüche konnten wir durch unsere intensive Betreuung sein Verhalten kontrollieren und positive Rahmenbedingungen schaffen, die ihm ein konfliktfreieres Dasein in der Gruppe ermöglichte. 

 Die Kanutour erforderte Geschicklichkeit, Gleichgewichtsempfinden, Kraft, gute Körperkoordination und Umsicht. Jeder musste die eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzen und mit seinem Bootspartner gut zusammenarbeiten.

Sie haben gelernt, die eigenen Grenzen einzuschätzen, Ängste zu überwinden, Hilfe anzunehmen und zu geben. In der Entwicklung ihres Selbstwertgefühls und des Selbstbewusstseins waren die gemachten Erfahrungen für alle sehr wertvoll.

Das Aufstellen und Einhalten von notwendigen Regeln wurde von allen akzeptiert und war eine Selbstverständlichkeit um ein gutes Miteinander zu gewährleisten.

 Darüber hinaus konnten die Großstadtjugendlichen intensive Naturerfahrungen machen, eine Vielzahl unbekannter Tiere (glücklicherweise keine Zecken, aber dafür viele Wespenstiche) kennen lernen, sich entspannen und zur Ruhe kommen. Viel frische Luft, körperliche Betätigung und gesunde Ernährung, haben zu einer positiven physischen Entwicklung beigetragen. Die Kanutour wurde von einigen als zu anstrengend empfunden.

Nach einer, wiederum, anstrengenden Bahnrückfahrt, landeten wir mit einem leichten Schlafdefizit, aber dafür ohne Verspätung, gesund und zufrieden am 24.7.06 um 5.45 h am Hamburger Hauptbahnhof, wo bereits viele Eltern warteten, um ihre Kinder abzuholen.

Die Jugendlichen äußerten sich sehr zufrieden über unsere Reise und würden uns gerne nächstes Jahr wieder begleiten.

 

Hamburg, den 27.7.06    Tilman Krüger

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