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Sachbericht Hollandfreizeit/Segeln Juli 2007
In diesem Sommer ist die integrative offene Kinder- und Jugendeinrichtung SCHORSCH in der Zeit vom 13.7 bis zum 23.7.2007 auf Jugendfreizeit nach Holland zum Segeln gefahren.
Unsere Gruppe setzte sich aus 16 Jugendlichen im Alter zwischen 12-17 Jahren zusammen. Darunter befanden sich 10 Jungs und 6 Mädchen (ein Jugendlicher musste die Reise aus persönlichen Gründen am 2. Tag abbrechen). Die Meisten von ihnen sind langjährige Besucher unserer Einrichtung. Die Herkunft unserer Jugendlichen ist unterschiedlich, sie haben fast alle Elternteile aus verschiedenen Ländern.
Auch in ihren Lebensumständen unterscheiden sich die Jugendlichen stark. Das betrifft das soziale Umfeld, die familiären Strukturen, die finanziellen Gegebenheiten und zum Teil bestehen besonders schwierige Situationen. Die Jugendlichen selbst sind in ihrem Verhalten, ihren Kompetenzen, Ihren Defiziten und Auffälligkeiten sehr verschieden.
Betreut wurde die Gruppe von einer weiblichen und 3 männlichen Mitarbeitern.
Die Anreise erfolgte in einem angemieteten Bus und verlief reibungslos, sodass die Gruppe pünktlich nach 6 Stunden, um 20 h in Harlingen/Holland eintraf. Wir sahen die Johanna B., die für die nächsten 10 Tage und Nächte unser Zuhause sein würde.
Das Schiff ist eher solide als schön. Alle sind erschrocken, dass die Kabinen und Kojen wirklich so klein sind, wie wir sie beschrieben hatten. Nudeln mit Tomatensauce beruhigten aber die Gemüter.
Reiseziel war der Ort Harlingen in Holland an der Wattenmeerküste. Dort bezogen wir gegen 20 h das von uns gecharterte Segelschiff, den ehemaligen Lastensegler Johanna B. Mit an Bord waren ein erfahrener Skipper (Ton) mit seiner Frau (Joke), die als Maat fungierte, und die aus uns Landratten in den nächsten 11 Tagen fast echte Seebären machten.
Die Stationen des Segeltörns waren Harlingen (Wattenmeerküste), Stavoren (Ijsselmeer), Enkhuizen (Ijsselmeer, 2 Tage/Nächte), von dort aus wurde ein Ausflug nach Amsterdam unternommen, Den Oever (Wattenmeerküste), auf dem Törn von Den Oever nach der Insel Vlieland, übernachteten wir direkt im Wattenmeer und ließen die Johanna trockenfallen, danach verbrachten wir jeweils 2 Tage/Nächte auf den Wattenmeerinseln Vlieland und Terschelling. Von Terschelling ging es Montagmorgen wieder zurück nach Harlingen, wo die Johanna gesäubert wurde und wir pünktlich um 16 h vom Bus abgeholt wurden, sodass wir gegen 22 h in Hamburg eintrafen.
Die Unterbringung erfolgte auf dem Schiff in 2 Viererkabinen, sowie in 6 Zweierkabinen. Das Essen wurde in der Kombüse zubereitet, gegessen wurde im integriertem Essensraum / Gemeinschaftsraum. Ferner waren 2 kleine Waschräume und ein Klo vorhanden.
Die Schlafsituation hatte sich dadurch entspannt, dass der Skipper die Erlaubnis gab, an Deck schlafen zu dürfen. Bedingung war die Rücksichtnahme auf die anderen Schiffe in den Häfen. Für die Jugendlichen war es schön, dass sie dies so gut hinbekamen.
Die Aktivitäten wurden zum Teil von uns (der Gruppe) vorgegeben (Amsterdam, Wattenmeerinsel), zum Teil wurden die Aktivitäten durch vorherrschendes Wetter/Wind/Strömungen durch Gezeiten und den jeweiligen Vorhersagen bestimmt. Regelmäßige Sitzungen mit dem Skipper, der uns über die jeweiligen Möglichkeiten informierte, erleichterte die Planungen der möglichen Aktivitäten. So wurde der Ausflug nach Amsterdam vorgezogen. Geplant war ursprünglich, von Harlingen aus, Texel anzulaufen. Nach Rücksprache mit dem Kapitän, der uns über die Wettervorhersage der nächsten Tage informierte, wurde der Plan geändert und auf schnellstem Wege nach Enkhuizen gesegelt, von dort fuhren wir am nächsten Tag mit der Bahn ins 40 Km entfernte Amsterdam.
Die nächste Aktivität war das Trockenfallen im Wattenmeer. Von Den Oever fuhren wir ins Wattenmeer, wo wir am späten Nachmittag, die für das Trockenfallen nötige Sandbank erreichten. Um 1 h nachts konnten wir dann auf der Sandbank ankern, sodass wir um ca. 5.3o h von Bord gehen konnten und uns den Sonnenaufgang ansahen. Um 7 h mussten wieder alle an Bord sein, da das Wasser wiederkam.
Gegen 12 h konnten wir dann weitersegeln, die Insel Vlieland war unser Ziel, welche wir am frühen Nachmittag erreichten. Es war traumhaftes Wetter und Zeit genug um am Strand zu beachen. Die Diskussion ob wir Vlieland am nächsten Tag Richtung Terschelling verlassen sollten, wurde durch die Nachricht beendet, dass für den nächsten Tag eine Unwetterwarnung herauskam. Wir nutzten die Zeit um uns auszuruhen.
Von Terschelling sollte es eigentlich nach Maaken gehen, doch auch diesmal machte uns die Vorhersage einen Strich durch die Rechnung. Wir blieben also einen Tag länger als geplant auf Terschelling. Von dort segelten wir am frühen Montagmorgen direkt zurück nach Harlingen, wo „Klarschiff gemacht“ wurde.
Die Abende wurden geprägt durch das momentan sehr populäre Poker spielen (mit richtigen Chips, aber natürlich ohne Geld) sowie Diskothekenbesuchen. Gebadet wurde am Strand, in der Hafenmole (wenn es denn ging) und direkt vom Schiff aus im Wattenmeer.
Die pädagogischen Ziele waren Stärkung der persönlichen und sozialen Kompetenzen auf engstem Raum, das sich gegenseitige Verlassenkönnen beim Segeln, sowie der Umgang mit eingeschränkt vorhandenen Ressourcen an Bord (Wasser, Strom, Gas). Es wurde ein Küchendienstplan aufgestellt, der vorsah, dass jeweils 2 Jugendliche einen Tag Küchendienst hatten. Gekocht wurde von 2 Betreuern; da tagsüber während des Segelns nicht vorbereitet oder gekocht werden konnte.
Die Mannschaft wurde in 3 Bereiche eingeteilt. Fock-, Groß- und Besansegel. Aus den 3 Bereichen wurden wiederum Untergruppen gebildet, sodass für jeden Jugendlichen Aufgaben beim Segeln vorhanden waren. Die einzelnen Gruppierungen waren füreinander verantwortlich, da sonst nicht gesegelt werden konnte.
Ziel des Skippers war dabei, eine größtmögliche Selbständigkeit der einzelnen Gruppen beim Segeln und An- bzw. Ablegen. Zum Schluss klappte das so gut, das Joke, (der Maat) kaum noch helfen musste. Die Jugendlichen hatten zu Anfang die größten Probleme mit der Verlässlichkeit. Kaum einer war vorher schon einmal gesegelt. So mussten sie erstmal lernen, dass, wenn ein Kommando kam, auch die jeweilige Mannschaft wirklich an Deck erschien. Nachdem sie aber die Notwendigkeit erkannt hatten, funktionierte es ganz gut.
Die Raumsituation auf einem Segelschiff ist naturgemäß äußerst beengt. Auch wenn das Schiff, wie die Johanna, 30 m lang ist. Ohne gegenseitige Rücksichtnahme läuft da nicht viel. Doch auch diese Problematik wurde von der Gruppe gut gemeistert, sodass es kaum zu unnötigen Auseinandersetzungen kam. Das der Eine oder Andere mal aus der Rolle fiel, ist bei 20 Personen, die fast 2 Wochen auf engem Raum zusammenleben müssen, normal.
Das scheinbar uneingeschränkt verfügbare Ressourcen, wie Trinkwasser, Strom und Gas auf einem Schiff doch sehr eingeschränkt vorhanden sind und wie man damit umgeht, war ein weiterer Lernprozess für die Gruppe. Wasser kommt zwar aus dem Hahn, wird dort aber nicht generiert. Also war es z.B. nicht ´drin, dass jeder Jugendliche mit seinem Teller zum Spülbecken ging, den Hahn aufdrehte und abwusch. Stattdessen wurde das Spülbecken gefüllt und im Spülwasser abgewaschen. Mit Strom und Gas gab es ähnliche Einschränkungen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten klappte aber auch dieses gut.
Die Herausforderungen ergaben sich aus: dem Leben in einer neuen Gruppe und mit „neuen“ Betreuern. Das enge Zusammenleben auf dem Schiff ließ keine Privatsphäre, kaum Rückzugsmöglichkeiten und wenig Intimsphäre zu (eine Toilette für 20 Personen, direkt neben dem Gemeinschaftsraum). Die Konfrontation mit dem Skipper und seiner Frau (ein Skipper gibt Anweisungen und diskutiert nicht darüber).
Das Arbeiten und das Zusammenarbeiten müssen beim Segeln. Die Auseinandersetzung mit knappen Ressourcen (Wasser, Strom). Die Route, die wir geplant hatten, zu segeln und möglichst nicht mit Motorkraft zu bewältigen.
Probleme hatte die Gruppe mit: der Abreise eines Jugendlichen; dadurch verschob sich das Kleingruppengefüge und die Gruppe musste sich neu orientieren. Schlafentzug, Seekrankheit und die erzwungene Nähe führten bei einzelnen Jugendlichen zu nicht gruppenkonformen Verhaltensweisen. Einhalten von Regeln und verbindlichen Gruppenabsprachen. Technische Probleme (kein Netz für Mobiltelefone) beim Ausflug nach Amsterdam. Einhalten von Kommandos beim Segeln.
Die Teambesprechungen wurden täglich abgehalten. Themen waren Reiseregeln, Tagesabläufe und die nächsten Reiseziele und was dort gemacht werden konnte.

Die Rückfahrt gestaltete sich problemlos. Nachdem alle beim „Klarschiff“ mitgeholfen hatten, konnten wir uns von unseren sehr netten und humorvollen Skippern verabschieden und den Bus besteigen. Pünktlich gegen 22 h erreichten wir unsere Einrichtung, wo wir von den Eltern der Jugendlichen freudig und auch erleichtert (natürlich) empfangen wurden. Nach einem herzlichen Abschied war die Reise beendet.
Hamburg, 27.07.07
Gerd Schreiert