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Dieses Jahr ging die Jugendreise des Schorsch nach Italien in die Toskana. Nachdem wir bei Horizonte ein Camp bei Massa gebucht hatten, bekamen wir im Frühjahr die Umbuchung nach Marina de Bibona, ein kleiner Ort in der Nähe von Chichena. Wir erhielten nur wenige Informationen, da das Reiseziel für Horizonte neu war.
Das Camp war klein und sehr eng. Für die Jugendlichen gab es Vierer-, für die Betreuer Zweierzelte. Es gab keinen Schattenplatz, kein Sonnensegel; direkt neben uns waren andere Gruppen und gegenüber einheimische Familien mit zum Teil sehr kleinen Kindern. Es galt also, gerade für die von Kroatien „verwöhnten“ Jugendlichen, eng zusammenzurücken.
Zur Ausstattung des Camps gehörte ein gut ausgestattetes Küchenzelt, ein Gruppenzelt, das Sonnensegel wurde später noch angebracht. Es waren vier Horizontemitarbeiter vor Ort, die freundlich, aber bei wichtigen Sachen nur begrenzt hilfreich waren.
Die Abfahrt war für Sonntag den 26. Juli um 8.3o Uhr angekündigt. Um 9.oo Uhr war alles verstaut und es ging los, Richtung Dormagen, um die zweite Gruppe abzuholen. Aufgeregt und voller Vorfreude genoss unsere Gruppe erstmal den Platz, den wir im Doppeldeckerbus bis Dormagen hatten. Wir, das waren 5 Mädchen und dreizehn Jungs, im Alter zwischen 15 und 18 Jahren sowie einer weiblichen und drei männlichen Betreuern. Ein Teilnehmer und ein Gast (Gino blieb nur die ersten 5 Tage bei uns zu Besuch) waren schon in Italien und wurden Sonntagabend von uns am Bahnhof abgeholt.
Ankunft: Müde, verschwitzt und gerädert, kamen wir nach 24 Stunden in Marina de Bibonna an. Wir erfuhren später, dass an diesem Wechseltag 190 Kinder und Jugendliche ankamen. Gegen 11 Uhr konnten wir endlich unser Camp beziehen.
Eindrücke der ersten Tage: Wir sind auf einem großen Campingplatz mit recht hohen Standards, der allerdings zu den Jugendcamps hin deutlich abfällt. Die sanitären Anlagen sind sehr gepflegt und großzügig, im Jugendcamp gibt es die rustikalere Variante, die, obwohl neu, sehr mitgenommen aussieht und auch häufig defekt ist (eingetretene Türen, zerstörte Klobrillen etc.). Der Poolbereich mit Liegestühlen und viel Animation für italienische Kinder, Bar, Restaurant und kleinem Laden, war vom Ambiente kahl und ungemütlich. Die Nutzung des Pools war den Jugendgruppen von 9.oo bis 11.oo Uhr gestattet, die Benutzung der Liegestühle verboten. Das anfängliche Interesse unserer Jugendlichen sich dort aufzuhalten ließ schnell nach.
Der Strand war eine äußerst positive Überraschung, er war riesengroß, schön, frei von Liegestühlen und ausgesprochen sauber. Leider war das Wasser zu trüb, um schnorcheln zu können.
Der Ort war sehr kinderfreundlich und für Familien mit Kindern bis ca. 14 Jahren, bestens geeignet. Freizeitangebote für diese Altersgruppe waren reichlich vorhanden. Nicht vorhanden war leider eine jugendgerechte Struktur, Stranddisco oder eine Jugenddisco.
Andere Gruppen: Die anderen Gruppen waren deutlich jünger. Die 8 bis 15 jährigen dominierten den Jugendcampbereich. Es gab kaum Jugendliche gleichen Alters zum kennen lernen. Unsere Jugendlichen waren also im viel stärkeren Maß auf sich zurückgeworfen, als wir und vor allem sie es erwartet hatten.
Freizeitaktivitäten:
Ausflug nach Florenz; auf Wunsch der Jugendlichen. Die Jugendlichen waren von der Stadt begeistert, doch der Ausflug war zeitlich zu kurz.
Ausflug nach Chichina zu einem großen Markt. Dieser Markt beinhaltete Wochenmarkt, riesigen Flohmarkt, Klamotten- und Schmuckmarkt.
Ausflug zu einem nahe gelegenen Aquapark.
Ausflug mit einem Shuttlebus zur einzigen Disco weit und breit, ca. 12 km entfernt. Die Disco war sehr gut, allerdings bestand nur einmal in 2 Wochen die Möglichkeit dorthin zu fahren. Mehr wäre auch nicht möglich gewesen, da die Festkosten von 27,-- Euro pro Person, nicht gerade jugendfreundlich zu nennen sind.
2 Zeltdiscos wurden vom Arbeiter Samariter Bund im Jugendcamp organisiert und veranstaltet. Sie wurden von unseren Jugendlichen dankbar angenommen.
Genutzt wurde, mit eingeschränkter Begeisterung, der im Ort liegende Luna-Park. Ein Freizeitpark mit Auto-Skootern, Schlagstärkemesser, Schießbuden etc. Allerdings war dieser Park eher für die Jüngeren attraktiv.
Abends vertrieb man sich die Zeit mit Tischspielen, wie Kartenspiele, Würfelspiele, Kniffel etc.
Die sportlichen Aktivitäten konnten nicht wie geplant durchgeführt werden.
Schnorcheln lohnte sich nicht.
Ein Fußballturnier wurde zweimal verschoben und fiel dann ganz aus.
Für die Mountainbiketour war die Gruppe nicht groß genug.
Gesundheit und Selbstverpflegung: Gesunde und abwechslungsreiche Küche stand auch diesmal auf unserer Prioritätenliste ganz oben. Frisches Obst, Gemüse und Salat standen jeden Tag auf dem Speiseplan. Müsli, Haferflocken, Joghurt und Obst ergänzten das Frühstück, um das, in Italien übliche, Weizenmehlbrot zu ergänzen.
Das Essen war abwechslungsreich und wurde mit täglich wechselnder Küchenmannschaft lecker zubereitet. Das Bedürfnis anderswo zu Essen, kam so gar nicht erst auf.
Der Schutz vor der Sonne gestaltete sich etwas schwierig, da keine schattigen Plätze zu finden waren. Aber mit Sonnensegel, Sonnenschirm, Strandmuscheln, Sonnencreme (Lichtschutzfaktor 50), sowie Trinkwasser in riesigen Mengen, haben wir die 2 Wochen ohne Sonnenstich und mit überschaubaren Sonnenbränden bewältigt.
Die schwerste Verletzung hatten wir aus Hamburg mitgebracht; ein Mittelfußknochenbruch, einer unserer Teilnehmer.
Pädagogische Ziele und Bewertung der Reise: Die Reise, mit einer großen Gruppe zum Zelten und mit Selbstverpflegung, stellt jedes Mal wieder eine besondere Herausforderung dar. Mit sich selber und mit anderen klarkommen, unter ungewohnten Bedingungen, fordert und fördert soziale Kompetenz. Nicht nach Hause gehen zu können, wenn es Konflikte gibt sondern sich damit auseinandersetzen zu müssen, keinen Rückzugsraum zu haben, diese Situation produktiv zu bewältigen, ist nicht einfach. Besonders erschwert wurde dieser Prozess gleich durch mehrere Faktoren:
Unser ursprüngliches Reiseziel Massa ist bekannt für viele Jugendgruppen, Strandpartys, Discos, Sportaktivitäten, Bootsfahrten und vieles andere mehr. Marina de Bibona erwies sich als Ort, der eher für Familien bzw. Kindergruppen geeignet ist. Also ein für Jugendliche eher langweiliger Ort, zumal die Erwartungen unserer Jugendlichen enttäuscht wurden.
Das Camp war äußerst eng, es gab praktisch keine Ausweichmöglichkeiten.
Uns wurde von Anfang an das Gefühl vermittelt, eher geduldet als willkommen zu sein. Wir erhielten schon am dritten Tag die „gelbe Karte“, mit Androhung, bei „rot“ vom Platz zu fliegen; die Jugendlichen hatten im Camp Karten gespielt und dabei zu laut gelacht. „Seit bitte leiser“, „macht bitte die Musik aus“ und „pssst“ war ab 23.3o Uhr ihre ständige Begleitmusik.
Wir wurden für vieles verantwortlich gemacht, z.B. zerstörte Klos und Klobrillen, obwohl wir in der Regel nicht verantwortlich waren. Unter diesen Bedingungen war unsere Gruppe geradezu hinreißend. Der Umgang mit anderen Menschen blieb weitestgehend freundlich. Der Umgang miteinander und mit uns Betreuern war fair bis liebevoll. Es gab unglaublich wenig Streit und selbst der Lagerkoller, der jeden mal erfasste, hatten keine Ausraster zur Folge. Es gab eher traurige Songs und den Langeweile-Blues, statt Aggressionen und Streit.
Dass das Reiseziel so enttäuschte, tat uns allen deshalb besonders leid, weil diese Reise für einige, aus Altergründen, wohl die letzte Gruppenreise mit Schorsch gewesen sein wird.